Warum Ebersberg als KZ-Außenkommando genannt wird
Warum Ebersberg als KZ-Außenlager genannt wird, die ungeklärte Geschichte des Zwangsarbeiters Marian Majewski und die grausamen Morde an den KZ-Häftlingen im Ebersberger Forst
1936: Kreisparteitag der NSDAP auf dem Gelände des Ebersberger Sportplatzes (östlich vom Alten Friedhof)
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Das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg ist ein Museum zur neuen und neuesten bayerischen Geschichte. Es wurde 2019 eröffnet und präsentiert die Geschichte des Freistaats modern und kreativ. Es zählt jährlich über 100.000 Besucher. Im Mai 2023 war Regensburg Ziel meiner Städtereise mit Museumsbesuch. Ebersberg wird im Zeitabschnitt „Diktatur – Katastrophe – Neubeginn“ auf der Ausstellungstafel „Heutiges Gebiet Bayern – KZ Dachau mit Außenlagern“ als Standort für ein solches Außenlager benannt. Genauso wie große und damit bekannte Außenlager – z. B. der Lagerkomplex Mühldorf oder Kaufering. Aus dem Ebersberger Landkreis finden sich auf der Standortkarte neben Markt Schwaben und Steinhöring auch Ebersberg.
Darüber war ich verwundert und sprachlos. Weil ich davon nicht die geringste Ahnung hatte. Wie die meisten Ebersberger.
Das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg
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Dabei hätte ich es wissen können. Bernhard Schäfer hat z. B. im Jahrbuch 2004 des Historischen Vereins für den Landkreis Ebersberg e. V. [ S. 102 ff. ] das SS-Arbeitskommando Markt Schwaben – unweit des dortigen Bahnhofs – beschrieben und einen Überblick gegeben: „Im Landkreis Ebersberg wurden drei Dachauer Außenkommandos eingerichtet, namentlich in Ebersberg, Steinhöring und Markt Schwaben“. Die Münchner Dienststelle der SS-Adjutantur sollte wegen der Luftangriffe auf das Gelände eines ehemaligen Kriegsgefangenenlagers in Markt Schwaben verlegt werden. Auf dieser Baustelle waren ab September 1944 laut Bernhard Schäfer in Markt Schwaben 19 KZ-Häftlinge mit Zwangsarbeit beschäftigt.
Vielen Landkreisbürgern ist geläufig, dass auf dem Gelände des heutigen Einrichtungsverbundes Steinhöring von der SS eine Lebensborn-Einrichtung betrieben wurde. Das Haus „Hochland“ diente der Rassen- und Erbideologie und galt ab 1936 als Vorbild für die weiteren Heime. Anna Beremski berichtet regelmäßig auf dem Gelände des Einrichtungsverbundes Steinhöring über die Geschichte. In der Dissertation von Dr. Sabine Schalm [ „Überleben durch Arbeit? Außenkommandos und Außenlager des KZ Dachau, Geschichte der Konzentrationslager 1933 – 1945“, Band 10, 2009, Metropol Verlag ] werden für Steinhöring bei den Belegungszahlen mit Häftlingen zirka 20 Frauen und 27 Männer genannt [ Seite 352 a. a. O.].
Ebersberg – Außenkommando des KZ Dachau
Die Lokalisierung eines KZ-Außenkommandos im damaligen Markt Ebersberg ist wohl aus mehreren Gründen nicht so bekannt und erschlossen.
Das Außenkommando Ebersberg wird von Frau Dr. Schalm bei der Belegung mit nur einem Häftling beziffert und es wurde erst ab März 1945 erwähnt bzw. eröffnet [ S. 350 – 351 a. a. O. ]. Die Zeichenerklärung der eingangs erwähnten Übersichtskarte im Regensburger Haus der Bayerischen Geschichte macht dennoch keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Außenlagern des KZ Dachau und verweist auf die Doktorarbeit von Frau Dr. Schalm.
Die Münchner Historikerin erklärt differenziert in vielerlei Hinsicht den „Oberbegriff Außenlager“. Sie führt in „Überleben durch Arbeit?“ aus, dass „die westdeutsche Geschichtswissenschaft in den 1980er-Jahren erst zögerlich begonnen hat, sich mit den Dachauer Außenkommandos und -lagern auseinanderzusetzen“ [ S. 19 a. a. O. ]. Als Gründe führt sie dazu untern anderen „die damals noch ausstehende Stammlagerforschung“ sowie die zum Teil „geringen Belegungszahlen“ der Außenstandorte an. Was für Ebersberg und für weitere Standorte zutreffend ist.
In Abschnitt „3.5 Häftlingsbelegung“ von „Überleben durch Arbeit?“ charakterisiert Frau Dr. Schalm die unterschiedlich großen 46 Außenlager und 94 Außenkommandos des KZ Dachau. Zu den Außenkommandos heißt es in Nummer 3.5.1/ S. 87 der Dissertation: „68 der 94 Dachauer Außenkommandos waren mit weniger als 50 Häftlin gen besetzt. Davon bestanden allein 29 mit bis zu zehn Häftlingen. Schon ein einzelner Häftling konnte als eigenständiges Außenkommando geführt werden. Dies war der Fall in den Außenkommandos Bad Oberdorf, Ebersberg, Freising, Fridolfing, Pfaffenhofen, Valepp/ Bauer Marx, Woxfelde und Wurach“ [ S. 87 a. a. O. ].
KZ Dachau mit Außenlagern; Dauerausstellung Hist. Museum Regensburg
Foto: Robert Schurer
Begriffsdifferenzierung der KZ-Außenstandorte
In der Sprache der Nazis waren die Bezeichnungen in der Vergangenheit uneinheitlich: Außenlager, Nebenlager, Außenkommandos, Arbeitskommando oder zum Beispiel der verharmlosende Begriff „Arbeitslager“. Das gesammelte Wissen über die einzelnen KZ-Standorte wurde erstmals in der Arbeit „Der Ort des Terrors“ von Wolfgang Benz und Barbara Distel [ Band 2, C.H. Becker Verlag 2005 ] gebündelt und veröffentlicht.
Die sprachlichen Unklarheiten setzten sich nach 1945 fort, denn die Bezeichnungen wurden verständlicherweise besonders von den Suchdiensten, den Alliierten und Behörden übernommen – bei der Erkundigung nach Angehörigen oder Bearbeitung von Anträgen. Als wichtigstes Differenzierungsmerkmal für die Forschung hat sich laut Frau Dr. Schalm die Häftlingsbelegung erwiesen. Sie fasst ihr Resümee für das KZ Dachau wie folgt zusammen:
„Bei allen Häftlingseinsätzen mit externer Unterkunft außerhalb des KZ Dachau und einer Belegung unter 250 Häftlingen handelte es sich um Außenkommandos“ [ S. 48 a. a. O. ]. Gemäß dieser Unterscheidung „existierten zwischen 1933 und 1945 insgesamt 140 Standorte von Häftlingszwangsarbeitseinsätzen mit Unterkunft außerhalb des KZ Dachau – darunter die erwähnten 94 Außenkommandos“ [ S. 102 a. a. O. ].
Dass im Ebersberger Fall deshalb von einem Außenkommando gesprochen werden sollte, bestätigte Frau Dr. Schalm auch im persönlichen Gespräch. Sie verweist auf weitere Unterschiede zwischen den Standorten. Dabei spielt neben der Größe auch der Zeitpunkt der Neugründung von Kommandos und Lagern eine Rolle.
Die Entwicklung des KZ Dachau und ihrer Außenlager
Wenn Ebersberg als Außenstandort eines KZ bezeichnet wird, bleibt es nicht aus, kurz auf die Entwicklung der Konzentrationslager und der Außenstandorte im Nationalsozialismus zu schauen. Es gab bekanntermaßen mehrere Phasen.
Gleich nach der Machtübernahme stand ab 1933 die Beseitigung politischer Gegner des NS-Staates im Vordergrund. Die ersten waren Kommunisten, Mandatsträger der Gewerkschaften, der Sozialdemokratie und der Bayerischen Volkspartei. Sie wurden inhaftiert, misshandelt und eingeschüchtert. Schon bald wurden auch andere NS-Gegner und Kritiker aus den Kirchen sowie missliebige Künstler und Publizisten verfolgt.
Das im März 1933 errichtete KZ Dachau wurde zum Modell für die weiteren Lager und Ausbildungsort für das Wachpersonal, das ab April 1933 von der SS gestellt wurde. Bis 1945 wurden im KZ Dachau insgesamt über 200.000 Menschen inhaftiert. Über 40.000 wurden ermordet oder starben an den Haftbedingungen
Die Zahl der KZ-Häftlinge stieg schnell an. Terrorisiert wurden die Menschen, die nicht in das Weltbild der Nazis passten: Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma, Zeugen Jehovas, Homosexuelle. Die systematische Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung und die Verdrängung aus dem gesellschaftlichen Leben begann schon kurz nach dem Ermächtigungsgesetz im Januar 1933. Durch die Nürnberger Gesetze vom September 1935 entzog man den Jüdinnen und Juden die Reichsbürgerschaft. Sie waren damit rechtlose Staatsangehörige.
Ausweitung des KZ-Systems – begründet auch mit der Kriegsführung im Osten
Ein weiterer Meilenstein bei der Entwicklung der KZ war dann der lange vorbereitete Krieg: Deutschland überfiel 1939 Polen, ab 1940 fast ganz Europa und 1941 die Sowjetunion. Infolge des Kriegsbeginns verschlechterten sich die Lebensbedingungen für die Inhaftierten. Denn deren Zahl steigt durch die von der Deutschen Wehrmacht besetzten Länder Polen, Frankreich, Belgien, Niederlande, Tschechien, Jugoslawien und Russland und die Häftlinge aus diesen Gebieten. Nicht mehr arbeitsfähige Häftlinge werden ab 1941 als „Invalide“ gezielt ermordet.
Und zu weiteren Kapiteln der KZ kam es in Folge des Kriegsverlaufs ab 1942: Die NS-Führung mobilisierte einerseits alle Ressourcen für die Kriegswirtschaft, andererseits ordnete sie den Massenmord an den Juden und sonstigen verfolgten Personen in den zu Todesfabriken erweiterten KZ an. In den Kriegsgebieten wurden Zwangsarbeiter gefangen genommen und nach Deutschland verschleppt.
Die Zahl der KZ-Häftlinge in den Konzentrationslagern der Nazis stieg bis 1945 insgesamt auf etwa 750.000 an. Im KZ Dachau und seinen Außenlagern waren es Ende 1944 über 60.000.
„Überleben durch Arbeit“ von Frau Dr. Sabine Schalm
Foto: Robert Schurer
Zwangsarbeit – die Todesangst ist immer dabei
„Die Vermietung von KZ-Häftlingen von den KZ an private Betriebe setzte schon ab September 1942 in größerem Umfang ein. Über die Anträge auf Zuteilung von KZ-Gefangenen entschied bis September 1944 das Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt – WVHA – und ab Oktober 1944 mussten die Anträge an das Rüstungsministerium gerichtet werden“ [ Überleben durch Arbeit, Nr. 2.2, S. Überleben durch Arbeit, Nr. 2.2, S. 35 – 39 ]. Damit wird die kriegswirtschaftliche Bedeutung der Häftlingsarbeit in den letzten Kriegsmonaten deutlich.
Denn der Arbeitskräftebedarf wurde noch größer: Ab 1944 stieg die Luftüberlegenheit der Alliierten und die letzten Reserven der deutschen Männer wurden an der Front verschlissen. Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge wurden vor allen Dingen an die Rüstungsindustrie abgestellt. Viele tausend Häftlinge starben unversorgt an Krankheiten oder brachen unter der Last der schweren Arbeit zusammen und verloren ihr Leben. Vernichtung durch Arbeit.
Vielen neuen und sogenannten „kriegswichtigen Betrieben“ werden jetzt KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter zugeteilt. Das erklärt das Entstehen der zahlreichen Außenlager der Konzentrationslager.
„Das Zwangsarbeitssystem erfüllte nicht nur einen wirtschaftlichen Zweck. Es war zugleich ein Instrument zur Verfolgung und Unterdrückung gerade jener Gruppen, die von den Nazis als minderwertig betrachtet wurden“, so die „Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ). Konzentrationslager, Gefangenschaft und Zwangsarbeit waren also Teil der Rassenideologie der Nationalsozialisten.
Überlebenschancen
War die Lage der Häftlinge in einem Außenlager besser als im großen Konzentrationslager Dachau? Dr. Sabine Schalm führt in ihrer Dissertation im Resümee [ unter Nummer 6.11., Seite 309 ] u. a. aus: „Tendenziell stellten sich 1942 die Überlebenschancen in den Dachauer Außenlagern besser dar als in den Konzentrationslagern. Mit der Errichtung der Außenlager für die Rüstungsindustrie waren aber die dort eingesetzten Häftlinge verstärkt alliierten Luftangriffen ausgesetzt. In den Außenlagern der Untertageverlagerung herrschte aufgrund der gezielten Mangelversorgung der Gefangenen eine Mortalität von knapp 50 Prozent“.
So war es im nicht weit entfernten Mühldorf am Inn: Schon beim Bau des Bunkers zwischen Mühldorf und Kraiburg starben ungefähr 4.000 jüdische KZ-Häftlinge aufgrund der verheerenden Lebens- und Arbeitsbedingungen.
Wurden Häftlinge in kleineren Außenlagern weniger schlecht als im KZ behandelt? Die Größe der Außenstandorte und damit die Frage, wie straff die Organisation der Lagerleitung und wie streng die Bewachung der SS-Mannschaften ausgeprägt war, könnte ein wichtiger Punkt gewesen sein. Die Historikerin Dr. Schalm zitiert in der Studie zum Lagersystem auf Seite 116 den Soziologen Wolfgang Sofsky: „Extreme Distanz zwischen Opfern und Tätern schürte die Gleichgültigkeit der Bewacher gegenüber den namenlosen Opfern und war ein wesentlicher Faktor für Gewaltexzesse“. Die Autorin weist darauf hin, dass „für das Überleben viele und ganz individuelle Faktoren bestimmend waren [ S. 303 a. a. O.]. Unter anderen müssen der Arbeitsplatz, das Lagerpersonal, die Verpflegung und Zufälle berücksichtigt werden [ S. 310 a. S. 310 a. a. O. ]. Überlebende aus Außenkommandos mit bis zu zehn Gefangenen berichteten von engeren Kontakten mit dem Wachpersonal ohne Brutalitäten“ [ S. 116 a. S. 116 a. a. O. ].
Was passierte in Ebersberg ?
Dokumente über die Anforderung eines Häftlings durch den Markt Ebersberg oder die Genehmigung sind nicht mehr vorhanden – nicht in der Stadt Ebersberg, auch nicht im Archiv der Gedenkstätte des KZ Dachau. Aber irgendeinen Antrag und eine Zuteilung bzw. Genehmigung muss es ja offensichtlich gegeben haben. Denn „Forderungen“ wurden nur dann erstellt, wenn es zu einer „Leistung bzw. Ausleihe“ gekommen ist.
Von den Arolsen Archives wurden hand- und maschinenschriftliche „Forderungsnachweise“ des KZ Dachau an die Betriebe, die KZ-Häftlinge „ausgeliehen“ haben, zur Verfügung gestellt. Auf der Übersicht für den Monat März 1945 taucht „Bürgermeister Ebersberg“ auf [ Zusammenstellung der Forderungsnachweise des K. Zusammenstellung der Forderungsnachweise des K. L Dachau für L Dachau für Monat März 1945, Seite 3, Copy of 1.1.6.0 / 82090989, ITS Digital Archiv, Arolsen Archives ]. Für Facharbeiter musste ein Betrieb täglich 6 Reichsmark, für Hilfsarbeiter 4 Reichsmark an die SS bzw. Staatskasse entrichten.
Forderungsnachweis de KZ Dachau für KZ-Häftlinge
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Copy of 1.1.6.0/82090943
In conformity with IST Digital Archive, Arolsen Archives
In den erwähnten Forderungsnachweisen sind mehrere Gemeinden und Landkreise zu finden, deren Namen „Bürgermeister“ oder „Landrat“ vorangestellt wurde. Ebersberg ist also mit der Bezeichnung „Bürgermeister Ebersberg“ nicht ein einmaliger Fall. In „Überleben durch Arbeit?“ [ Nummer 3.5.1, S. 87 ] führt Dr. Schalm aus: „Hinter den Einzelabstellungen verbargen sich meist „Gefälligkeitskommandos“ mit Hilfskräften für Haushalt und Landwirtschaft. Es ist anzunehmen, dass bereits vor 1942 derartige Einzelabstellungen praktiziert, aber nicht als Außenkommandos geführt wurden“.
Wie und warum kam es zur Gründung des Außenkommandos Ebersberg?
Die Situation eröffnet zahlreiche Möglichkeiten: In erster Linie die, dass der Antrag vom Bürgermeister des Marktes Ebersberg gestellt wurde und der Häftling tatsächlich für Arbeiten der Marktgemeinde bestimmt war. Ob die Einzelabstellung eines KZHäftlings indessen für andere Zwecke geplant war bzw. die Arbeiten für einen sonstigen privaten Betrieb durchgeführt werden sollten, ist zwar denkbar, lässt sich aber nicht belegen. Der genaue Arbeitseinsatz eines KZ-Häftlings für den Markt Ebersberg bleibt aufgrund der fehlenden Dokumentenlage also völlig unklar.
Eindeutig ist dagegen, dass der Vorgang mit den Forderungsnachweisen für einen Häftling dazu geführt hat, dass Ebersberg als Außenlager des KZ Dachau geführt wird.
Forderungsnachweis de KZ Dachau für KZ-Häftlinge
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Copy of 1.1.6.0/82090989
In conformity with IST Digital Archive, Arolsen Archives
Forderungsnachweis de KZ Dachau für KZ-Häftlinge
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Copy of 1.1.6.0/82090989
In conformity with IST Digital Archive, Arolsen Archives
In der bereits genannten Publikation berichtet Sabine Schalm [ in Nummer 3.3.6, S. in Nummer 3.3.6, S. 78 / 79 ] über die Eröffnung und Schließung von Außenkommandos ab 1945, dass „in den ersten vier Monaten des Jahres 1945 noch einmal 25 Außenkommandos und -lager des KZ Dachau eröffnet und erwähnt wurden. Dabei handelte es sich zahlenmäßig nur noch um kleine Kommandos, meist um Einzelabstellungen“.
Sie verweist auf die Fliegerangriffe und die schwerwiegenden Zerstörungen, denen sich die Städte und Gemeinden ausgesetzt sahen und schildert weiter: „In diesem Kontext standen wahrscheinlich auch sechs weitere Außenkommandos: In Starnberg, Pfaffenhofen, Weilheim, Sonthofen und Freising wurden den jeweiligen Landräten und in Ebersberg dem (Ober)Bürgermeister ein bis sechs Häftlinge zugeteilt. Jedoch ist nur für Starnberg eindeutig belegt, dass die Häftlinge zur Bombensuche eingesetzt wurden“.
Der Landkreishistoriker Bernhard Schäfer bestätigt allerdings, dass für die damalige Marktgemeinde Ebersberg aus den Jahren um das Kriegsende 1945 keinerlei Berichte über eine Bombensuche, -Entschärfung oder Trümmerbeseitigung bekannt sind.
Die Frage, „wie“ Ebersberg die Kennzeichnung Außenkommando des KZ erlangt hat, konnte geklärt werden – das „Warum und wozu“ aber nicht eindeutig.
Wer war der Häftling …
… der dem Markt Ebersberg zugeteilt wurde? Wann und wo wurde er geboren? Wo lebte und arbeitete er vor seiner Gefangennahme und Deportation nach Deutschland? Hat er überlebt? Was für ein Leben hat er nach dem Krieg geführt?
Die in großer Zahl befragten Archive – auch das Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau – verwiesen auf die Arolsen Archives. Bis 2019 waren die Arolsen Archives unter dem Namen „Internationaler Suchdienst“ bekannt. Benannt ist die Einrichtung nach der rund 16.000 Einwohner zählenden Kleinstadt in Nord-Hessen. Das internationale Zentrum über NS-Verfolgung besitzt das weltweit umfassendste Archiv zu den Opfern und Überlebenden des Nationalsozialismus. Die Sammlung gibt Hinweise zu rund 17,5 Millionen Menschen. Das Archiv gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Zu den Unterlagen zählen Originaldokumente aus Konzentrationslagern – die erwähnten Forderungsnachweise des KZ Dachau mit der Ebersberger Benennung stammen von den Arolsen Archives.
Das Polnische Rote Kreuz sucht noch im Jahr 1979 nach Unterlagen für Marian Majewski, geb. 18.04.1920.
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Copy of 6.3.3.2/111182274
In conformity with IST Digital Archive, Arolsen Archives
Der 25-jährige Marian Majewski aus Polen – KZ Häftling oder Zwangsarbeiter?
Die wichtigsten Fragen schienen beantwortet, als die Arolsen Archives nach mehrmaligen Recherchen nach etwa einem halben Jahr Suche im Herbst 2023 mitteilten, dass „Marian Majewski, geb. am 18. April 1920, in das Konzentrationslager Dachau, Kommando Ebersberg eingeliefert wurde“.
Das ergab sich aus einer Korrespondenzakte mit dem Polnischen Roten Kreuz. Geboren wurde Marian Majewski in Brzozowka (ein Dorf im Kreis Kozienice im Osten von Polen) – es liegt 58 Kilometer südlich von Warschau. Der Schriftwechsel mit dem Polnischen Roten Kreuz gibt Einblick in die Biografie von Marian Majewski: Er wurde bereits im Jahr 1940 zur Zwangsarbeit in die Stadt Stargrad Pomorski (heute polnisches West-Pommern) verschleppt. Stargrad war ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt und die Nazis brauchten für ihre Kriegsführung Arbeitskräfte im Eisenbahn-Reparaturwerk für eine intakte Infrastruktur auf der Schiene. 1945 wurde Majewski nochmals verhaftet und nach Deutschland verschleppt [ Anfrage des Polnischen Roten Kreuzes von 1979, Copy of 6.3.3.2, /111182274 ITS Digital Archive, Arolsen Archives ].
Die Arolsen Archives finden einen Zwangsarbeiter Marian Majewski, geb. 18.04.1920, der im Ausbesserungswerk der Reichsbahn München-Neuaubing arbeiten musste.
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Copy of 6.3.3.2/111182277
In conformity with IST Digital Archive, Arolsen Archives
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Copy of 6.3.3.2/111182278
In conformity with IST Digital Archive, Arolsen Archives
KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter
Wegen des Begriffes Zwangsarbeit und dem Fortgang der Recherchen ein Exkurs zum Thema Zwangsarbeit:
Mehr als 25 Millionen Menschen mussten für das nationalsozialistische Deutschland Zwangsarbeit leisten, rund 13 Millionen davon im damaligen Reichsgebiet. Neben KZ-Häftlingen und Kriegsgefangenen auch rund 8,5 Millionen ausländische Zivilarbeiter (die heute Zwangsarbeiter genannt werden).
Die größte Gruppe der männlichen Zwangsarbeiter stammte aus der Sowjetunion und Polen. Die deutsche Wehrmacht besetzte 1939 nicht nur Polen, sondern betrachtete die Menschen als ihre Kriegsbeute. Entsprechend der Rassenideologie gingen die Nazis mit den osteuropäischen Menschen sehr schlecht um. Sie sollten einfach durch Arbeit „vernutzt“ werden. Sie waren häufig gezwungen, körperlich hart zu arbeiten und wurden meistens schlecht versorgt. Der NS-Plan war, Polen von den einheimischen Menschen zu entvölkern und den Lebensraum der deutschstämmigen Bevölkerung zur Verfügung zu stellen.
Überfallartige „Aushebeaktionen und Razzien“
„Um möglichst viele Arbeitskräfte ins Reich zu holen, war den Besatzungsverwaltungen jedes Mittel recht: Anfangs stand die Werbung mit falschen Versprechungen, dann Dienstverpflichtungen bis hin zu brutalen Razzien“ [ Zwangsarbeit – Begleitband zur Ausstellung „Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg“, Weimar 2010, Seite 75 ]. Als im Dezember 1941 der deutsche Überfall in Russland zum Stehen kam, stieg der Arbeitskräftebedarf im Reichsgebiet nochmals an.
Gerade in den Städten wurden die Menschen in Bahnhöfen, auf Märkten und öffentlichen Plätzen willkürlich gefangen genommen. „Wer nicht über den Nachweis verfügte, an einer kriegswichtigen Stelle zu arbeiten, wurde auf Lastwagen verladen und zum Sammelpunkt gebracht“ [ Zwangsarbeit – Begleitband zur genannten Ausstellung, Seite 78 ]. So wurden viele Menschen von heute auf morgen aus ihren Familien und ihrem Leben gerissen.
Wie genau sich das alles bei Marian Majewski zugetragen hat, wissen wir nicht. Im erwähnten Dokument des Polnischen Roten Kreuzes lauten die Hinweise indes eindeutig: „Marian Majewski wurde erneut verhaftet und nach Deutschland verschleppt. In Ebersberg / Kommando wurde er gefangen gehalten. Vorher musste er schon ab 1940 in Polen Zwangsarbeit leisten“ [ Anfrage des Polnischen Roten Kreuzes von 1979, Copy of 6.3.3.2 / 11182274 IST Digital Archive, Arolsen Archives ].
Trotz der Dokumente: mehr Fragen als Antworten
Der vermeintliche KZ-Häftling konnte also ausfindig gemacht werden. Dennoch gab es Unklarheiten:
• Es lagen keine Dokumente über die Inhaftierung im KZ Dachau vor und das Archiv der KZ-Gedenkstätte konnte einen KZ-Häftling Marian Majewski, geb. 18.04.1920, nicht bestätigen.
• In den Schriftstücken der Arolsen Archives war von „Zivilarbeiter“ die Rede, was nach heutiger Lesart Zwangsarbeiter heißt.
• Ferner ergaben sich durch weitere Unterlagen und Aufstellungen der Arolsen Archives in der zeitlichen Abfolge der Beschäftigungsabschnitte für Marian Majewski Überschneidungen. Marian Majewski wurde nämlich für die Zeit vom 7. Februar bis 1. Mai 1945 als Zivilarbeiter im Ausbesserungswerk der Reichsbahn München-Neuaubing geführt [ Kriegszeit-Dokumenten-Auszug 6.3.3.2 / 111182278, IST Digital Archive, Arolsen Archives ].
• Wie konnte er dann die gleiche Person sein, die dem damaligen Markt Ebersberg ab 1. März 1945 zugeordnet wurde?
Mit diesen Unsicherheiten wurden aufs Neue die Archive befragt.
• Die Arolsen Archives verwiesen auf den vorhandenen, aber sicher nicht vollständig erschlossenen Dokumentenbestand und übergaben neue Unterlagen.
• Das Archiv der KZ-Gedenkstätte Dachau schloss nahezu sicher aus, dass es sich bei Marian Majewski um den Ebersberger KZ-Häftling handelte. Denn es gibt „absolut keinen Zusammenhang zwischen Marian Majewski und dem KZ Dachau“, so die KZ-Gedenkstätte.
Dass Marian Majewski, geboren 18.04.1920, im Neuaubinger Ausbesserungswerk der Reichsbahn (RAW) arbeiten musste, ist belegt und wahrscheinlicher als andere Annahmen. Denn das NS-Dokumentationszentrum hat bereits vor Jahren die Forschungsarbeit zur Zwangsarbeit im Lager München-Neuaubing übernommen. Die Publikation „Zwangsarbeit in München – Das Lager der Reichsbahn in Neuaubing, Metropol-Verlag Berlin 2018“ dokumentiert in über 350 Seiten die NS-Zwangsarbeit beim Reichsbahn-Ausbesserungswerk Neuaubing.
Auf Seite 137 werden Lagergeschehen und Nationalitäten der Zwangsarbeiter beschrieben. Unter anderem heißt es: „An nur einem Tag, dem 7. Februar 1945, wurden rund 240 Polen im RAW registriert. Die Ankunft der Polen führte zu einem regelrechten Chaos, weil die Essensrationen für alle anderen Ausländer heruntergesetzt wurden“.
Der erwähnte 7. Februar 1945 ist identisch mit dem in den Akten der Arolsen Archives für Marian Majewski genannten ersten Tag in München-Neuaubing.
Die Biografie von Marian Majewski bleibt rätselhaft
Der Münchner Einsatzzeitraum von Marian Majewski (07.02. bis 01.05.1945) spricht also zunächst gegen eine Abstellung nach Ebersberg ab März und ist nicht stimmig mit den Dokumenten des Polnischen Roten Kreuzes. Majewski findet sich auch nicht in den Ausländerakten für den Landkreis Ebersberg (dazu später noch ein kurzer lokaler Einblick zum Thema Zwangsarbeit). Eine Verbindung zu Ebersberg oder zumindest die nähere Umgebung wird allerdings durch ein anderes Dokument aus den Arolsen Archives doch hergestellt:
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Copy of 2.1.1.2/70500279
In conformity with IST Digital Archive, Arolsen Archives
Das Dienstbotenverzeichnis der Gemeinde Steinhöring aus 1945:
Darin wird Marian Majewski, geboren am 18.04.1920, für die Zeit vom 16. Juni bis 4. Juli 1945 bei einem landwirtschaftlichen An we - sen in Schechen / Tulling geführt. Dann verliert sich wieder die Spur. Denn jetzt hatte Majewski den Status eines „DPs“.
Dienstboten-Register Gemeinde Steinhöring
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Copy of 2.1.1.2/70500279
In conformity with IST Digital Archive, Arolsen Archives
Displaced Persons (DPs)
Marian Majewski war einer von mehr als acht Millionen Menschen, die als KZ-Häftlinge, Kriegsgefangene oder Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt wurden. Sie wurden nach Kriegsende nun von den West-Alliierten „Displaced Persons“ (DPs) genannt. Der Begriff steht für „heimatlose Personen“. Schon auf der Konferenz der Alliierten im Oktober 1944 in Jalta wurde neben der Aufteilung Deutschlands beschlossen, alle verschleppten Menschen in ihre Heimat zurückzuführen. Einer davon war folglich Marian Majewski.
Die ersten Tage und Wochen nach Kriegsende suchten sich Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter Unterkunft. Dann wurden sie von der Amerikanischen Militärregierung in Lagern für Displaced Person untergebracht. Bereits bis September 1945 konnten über 80 Prozent der Westeuropäer und Polen heimkehren [ Zwangsarbeit – Begleitband zur genannten Ausstellung, S. 148 ]. Russen, Ukrainer und manchmal auch Polen wollten nicht immer in ihre Heimat zurückkehren. Nämlich dann, wenn sie Angst hatten, gleich wieder verfolgt zu werden – weil ihr Aufenthalt in Deutschland als Arbeit für den Feind beurteilt wurde.
Wie kam Marian Majewski in den letzten Kriegswochen oder -tagen doch in den Landkreis Ebersberg? Ein Bezug zu einer vorangegangenen Zwangsarbeit in Ebersberg oder auch Steinhöring liegt damit nahe, kann jedoch nicht nachgewiesen werden.
Der Tullinger Landwirt Josef Gschwendtner – Jahrgang 1921 – hätte uns vermutlich noch etwas erzählen können. Josef Gschwendtner ist aber im Jahr 2023 im Alter von 102 Jahren gestorben. Abermals lässt sich eine Frage zum Leben von Marian Majewski nicht klären. Die Nachfragen im Jahr 2023 kommen zu spät. Die Erkundigungen in den Lagern für polnische DP’s in Oberbayern blieben ergebnislos.
Es gibt nicht nur keine Zeitzeugen mehr – auch die Quellenlage bleibt trotz weiterer Bemühungen unzureichend. Auch mit Hilfe des NS-Doku-Zentrums und dem Staatsarchiv München und den „Ausländerakten“ für den Landkreis Ebersberg aus 1945 ließen sich keine neuen Erkenntnisse erschließen. Bei den Arolsen Archives wurde – um Verwechslungen auszuschließen – nach namensgleichen Häftlingen geforscht. Aber ohne Ergebnis. Und in Ebersberg: Verwaltungsunterlagen dürften auch hier kurz vor der Befreiung vernichtet worden sein, um keinerlei Beweismaterialien zu hinterlassen. Dass die genaue „Buchführung“ zwischen den beteiligen Stellen in den letzten Kriegswochen vernachlässigt wurde, kann ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.
Vielleicht werden nach der Veröffentlichung dieses Aufsatzes und den Veranstaltungen doch noch bisher nicht bekannte Materialien erschlossen. Oder es erreichen uns Erinnerungsberichte von Menschen, die noch mit Zeitzeugen haben sprechen können. Das wäre sehr beeindruckend.
Zwangsarbeit vor Ort in Ebersberg
Weil Marian Majewski als Zwangsarbeiter nach Deutschland verschleppt wurde, ein kurzer, aber nicht vollständiger Versuch, das Thema für Ebersberg zu beleuchten. Dazu wurden die bereits erwähnten Ausländerakten des Landkreises Ebersberg im März 2024 im Staatsarchiv München untersucht – in der Hoffnung, Hinweise auf Marian Majewski zu finden, aber auch, um einen Überblick zur Zwangsarbeit in Ebersberg zu gewinnen.
Ein namensgleicher Anton Majewski konnte tatsächlich ausfindig gemacht werden. Er war aber am 07.05.1904 geboren und musste im Schwellenwerk der Reichsbahn in Kirchseeon arbeiten.1942 musste oder durfte er nach Polen zurückkehren – wegen beschränkter Arbeitsfähigkeit und anlässlich des Sterbefalles seiner Schwester.
Nicht zu übersehen: Zwangsarbeiter waren alltäglich
Wie bereits ausgeführt, wurden Millionen Menschen deportiert und mussten im Reichsgebiet Deutschland Zwangsarbeit leisten. Damit war Zwangsarbeit in den Städten und Gemeinden nicht zu übersehen. Bestimmt auch nicht im Landkreis Ebersberg. Denn Zwangsarbeiter – Männer wie Frauen – wurden nicht nur in den großen Rüstungsbetrieben und Städten eingesetzt, sondern auch auf dem Land, z. B. in der Landwirtschaft und Privatbetrieben. Kaum ein größerer Betrieb ohne Zwangsarbeiter, die bei der Arbeitsverwaltung angefordert werden mussten.
Wie bereits ausgeführt, wurden Millionen Menschen deportiert und mussten im Reichsgebiet Deutschland Zwangsarbeit leisten. Damit war Zwangsarbeit in den Städten und Gemeinden nicht zu übersehen. Bestimmt auch nicht im Landkreis Ebersberg. Denn Zwangsarbeiter – Männer wie Frauen – wurden nicht nur in den großen Rüstungsbetrieben und Städten eingesetzt, sondern auch auf dem Land, z. B. in der Landwirtschaft und Privatbetrieben. Kaum ein größerer Betrieb ohne Zwangsarbeiter, die bei der Arbeitsverwaltung angefordert werden mussten.
Ob eine genaue Auszählung der Zahlen über die gefangen gehaltenen Menschen in den Gemeinden, die Einsatzorte und Betriebe im Landkreis Ebersberg zu vollständigen Überblicken führen würde, ist für den Verfasser dieses Berichtes nicht abschließend zu beurteilen. Denn im Vordergrund dieser Recherche standen Hinweise auf den polnischen Häftling Marian Majewski und auf ein KZ-Außenkommando Ebersberg im Jahr 1945. Deshalb wurden die Unterlagen der beiden letzten Kriegsjahre 1944 und 1945 angefordert. Die Unterlagen sind nach Gemeinden und alphabetisch nach den Namen, dem Geburts- und Einsatzort der Zwangsarbeiter sortiert. Bei der Durchsicht der Akten entstand allerdings wieder die Frage, ob die Akten vollständig sein würden. Meine vorsichtige Einschätzung: Zwischen 1939 und 1945 mussten mehrere tausend Menschen auch im Landkreis Ebersberg Zwangsarbeit leisten.
Zwangsarbeiter: größter Anteil aus Russland und Polen
Für die damalige Gemeinde Ebersberg sind die Akten besonders spärlich. Zumindest einen Einblick in die Zwangsarbeit im Markt Ebersberg verschaffen sie aber schon (Zur Erinnerung: Den Begriff Zwangsarbeiter kannten die Nazis nicht – die Menschen wurden damals Zivilarbeiter oder Fremdarbeiter genannt). Die Zwangsarbeiter in den Jahren 1944/1945 in Ebersberg kamen aus allen von Deutschland besetzten Ländern: Russland, Polen, Ungarn, Ukraine, Italien, Frankreich und Niederlande.
Ebersberg und Zwangsarbeiter: in der Landwirtschaft und größeren Betrieben
Sie arbeiteten vornehmlich in der Landwirtschaft. Unter den Betrieben werden für Ebersberg auch Gastwirtschaften, das Sperrholzwerk, das Krankenhaus, der Gutshof, das Schwellenwerk der Reichsbahn in Kirchseeon, das Forstamt oder das HJ-Heim aufgeführt. Viele Zwangsarbeiter waren mit ziemlicher Sicherheit jeden Tag zu sehen: am Morgen auf ihrem Weg vom Lager zur Arbeit und am Abend von der Arbeitsstelle wieder zurück ins Lager.
Denn in den meisten Fällen waren die Zwangsarbeiter wohl in Sammel- bzw. Zivilarbeitslagern untergebracht. Ausnahmen gab es vor allen Dingen bei den landwirtschaftlichen Betrieben in den Dörfern aufgrund der speziellen Anforderungen. Die grundsätzlich lagermäßige Unterbringung der Zwangsarbeiter sollte die NS-Propaganda von den „fremdvölkischen Menschen, die jederzeit eine Gefahr für das deutsche Volk“ bedeuten können, verstärken – und nach Möglichkeit Kontakte mit der heimischen Bevölkerung außerhalb der Arbeit unterbinden.
Die Lager …
In den Ausländerakten finden sich für Ebersberg als Lager der damalige „Sommerkeller“ (in der Ortsmitte, heutige Eichthalstraße), der Standort Reitgesing (im Westen, eventuell wegen der Nähe zu Kirchseeon und dem Schwellenwerk) und das Forsthaus Hubertus (offensichtlich für die Holzeinschlagarbeiten und Bewirtschaftung des Ebersberger Forstes).
… und die rassistische Herabstufung
Zu den konkreten Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter in Ebersberg gibt das spärliche Papier im Staatsarchiv noch weniger Auskunft. Bekannt ist, dass durch die strengen Anordnungen und Regeln der Nazis besonders Menschen aus Russland und Polen sowie osteuropäische Zwangsarbeiter diffamiert werden sollten.
Stadtarchiv Traunstein
Bayer. Hauptstaatsarchiv
Kontakte zu Deutschen waren weitestgehend untersagt. Die Kennzeichen „P“ für Polen und „Ost“ waren „stets sichtbar auf der rechten Brustseite eines jeden Kleidungsstücks zu tragen“. Der Besuch von Gaststätten oder das Verlassen des Aufenthaltsortes war verboten. „Wer sich einer deutschen Frau unsittlich nähert, wird mit dem Tode bestraft“, so die Merkblätter für polnische Zivilarbeiter. Die Menschen aus Polen und Russland wurden von den Nazis als gefährlich und minderwertig beschrieben. Damit sollte die rassenpolitische Feindseligkeit gegenüber den Fremden aufrecht erhalten bleiben.
Wie sich die Realität der täglichen Begegnungen zwischen den Zivilarbeitern mit den Dienstvorgesetzten und Ortsansässigen in Ebersberg gestaltete, wissen wir nicht.
• Was waren das für gewaltsame Beziehungen? Wurden die Zwangsarbeiter und Gefangenen als Feinde betrachtet? Gab es Einsatzstellen bzw. Arbeitgeber, die von deren Verhalten und der Arbeitsleistung auch positiv überrascht waren?
• Ist es denkbar, dass diese fremden Menschen – soweit man das überhaupt sagen kann – dann und wann gut oder sogar mitfühlend behandelt wurden?
• Hatten Arbeitgeber eventuell Angst vor Denunziation und waren auch deshalb nicht zu freundlich?
• Wie wirkte das auf die verschleppten Zwangsarbeiter, die Heimweh aber auch Angst hatten, weil man ihnen bei „Verfehlungen“ drohte, sie ins Konzentrationslager zu bringen?
• Wie häufig gab es andere Vorgesetzte der Zwangsarbeiter, die eifrig von der NSIdeologie überzeugt waren? Und welche, die sich gleichgültig, aber strikt an die Instruktionen der Machtzentralen der Nazis hielten und mit den Menschen sehr schlecht umgingen und sie schikanierten?
Es gibt nur sehr wenige Berichte aus Ebersberg. Die Geschichten von Häftlingen, Gefangenen und Zwangsarbeitern aus anderen Orten zeigen, dass sie die ganze Vielfalt von Verhaltensweisen erlebten: Erbarmungslosigkeit und Brutalität auf der einen Seite und manchmal auch Mitleid und Mitmenschlichkeit auf der anderen. Für Ebersberg werden wir sicherlich kein Bild zeichnen können, das ganz anders aussieht.
Stadtarchiv München
Bernhard Schäfer und Erich Schechner berichteten im Jahr 2023 in Ebersberg über das Schicksal des 22-jährigen ukrainischen Zwangsarbeiters Gabriel Poselenyk. Auch darüber, dass die nationalsozialistischen Machthaber keine Liebesbeziehungen zu deutschen Frauen duldeten. Poselenyk wurde ein Sexualdelikt zur Last gelegt – ohne gerichtliches Verfahren wurde er 1944 von der Gestapo in einer Ebersberger Kiesgrube hingerichtet.
Fazit
Ob diese Veröffentlichung und Veranstaltungen wie die Geschichtswerkstatt in Ebersberg Berichte und Erinnerungen zum Massenphänomen Zwangsarbeit zu Tage fördern werden? Das wäre wünschenswert.
Ob diese Veröffentlichung und Veranstaltungen wie die Geschichtswerkstatt in Ebersberg Berichte und Erinnerungen zum Massenphänomen Zwangsarbeit zu Tage fördern werden? Das wäre wünschenswert.
Ob diese Veröffentlichung und Veranstaltungen wie die Geschichtswerkstatt in Ebersberg Berichte und Erinnerungen zum Massenphänomen Zwangsarbeit zu Tage fördern werden? Das wäre wünschenswert.
Nach dem Juli 1945 verliert sich die Spur von Majewski. Wir wissen, dass er überlebt hat und zurück nach Polen kehrte. In den 1970er-Jahren beantragte er über das Polnische Rote Kreuz Bestätigungen über seine Zwangsaufenthalte in Deutschland und vermutlich auch Entschädigungsleistungen. Entschädigung für Zwangsarbeiter gab es aber lange nicht. Staat und Wirtschaft gründeten erst im Jahr 2000 die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ (EVZ). 2001 begann die Zahlung von Entschädigungsleistungen an die damals noch lebenden Zwangsarbeiter. Der Stiftung EVZ war ein Marian Majewski, geb. 18.04.1920, aber nicht bekannt. Entweder hat Marian Majewski keinen Antrag gestellt oder er war inzwischen schon verstorben.
April 1945: Wenn der Krieg aus ist … seid ihr vorher tot.
Der Blick in das dunkelste Kapitel unserer Geschichte und die Recherchen um das Ebersberger KZ-Außenkommando und Marian Majewski brachte dann bei den Nachforschungen noch andere Geschehnisse zu Tage. Ereignisse, nach denen ich gar nicht gesucht hatte. Von denen ich wusste, dass sie in den letzten Kriegswochen begangen wurden. Bei den Recherchen nach dem Ebersberger KZ-Häftling suchte ich auch in der Kreisdokumentation des Landkreises Ebersberg.
Und stieß auf das „war diary“ (Kriegstagebuch) der US-Amerikanischen Verwaltung. Unter dem 24. August 1945 fand sich folgender Eintrag:
War Diary August 1945
Military Government Landkreis Ebersberg
Five bodies of Concentrations Camp Inmates were found in the Ebersberg Forest. They ware bound hand and foot and all shot in the back of he head.
Im Ebersberger Forst wurden fünf Leichen von KZ-Häftlingen gefunden. Sie waren an Händen und Füßen gefesselt und ihnen wurde in den Hinterkopf geschossen.
[ Bayerisches Hauptstaatsarchiv, OMGUS CO Bayerisches Hauptstaatsarchiv, OMGUS CO / 475 / 4, Kriegstagebuch der Amerikanischen 4, Kriegstagebuch der Amerikanischen Militärregierung für den Landkreis Ebersberg, August 1945 ]
Zur Einordnung: In den letzten Kriegswochen befanden sich mindestens 250.000 KZHäftlinge auf Todesmärschen. Die SS-Führung wollte verhindern, dass amerikanische, sowjetische, französische oder britische Truppen die Konzentrationslager mit den geschundenen Häftlingen vorfinden.
Bekannt war mir aus dem Ebersberger Landkreis-Norden das Massaker von Poing. Und das jährliche Gedenken an die Opfer des Todesmarsches aus dem KZ-Außenlagerkomplex Mühldorf.
Ein langer Güterzug mit 3.600 vorwiegend jüdischen KZ-Häftlingen kommt am 27. April in Poing wegen eines technischen Defekts zum Stehen. Unter den SS-Wachleuten verbreitet sich das Gerücht, der Krieg sei beendet. Die US-Truppen hatten tatsächlich am 27. April 1945 Augsburg im Münchner Westen eingenommen. SS-Leute fliehen von ihrem Einsatz und auch Häftlinge können aus dem Zug entkommern. Die Häftlinge fliehen in alle Richtungen. Aber schon bald nehmen die Wachmannschaften, Soldaten und auch Zivilisten die Jagd nach den entflohenden Häftlingen auf. Mindestens 50 werden getötet, über 200 verletzt und wieder in den Zug gedrängt. Dieser setzt am Abend seine Fahrt in Richtung München und Tutzing fort.
Fünf unbekannte ermordete KZ-Häftlinge
@ Die Rückkehr der Namen - BR-Erinnerungsprojekt
Der Hintergrund der Tragödie
In der Nacht zum 28. April 1945 besetzt die Freiheitsaktion Bayern (FAB) um Hauptmann Gerngroß die Münchner Rundfunksender Freimann und Ismaning und erobert den Sender: „Die FAB hat die Regierungsgewalt übernommen“. Der Krieg sollte damit beendet und weiteres Leid vermieden werden. Schon im Laufe des gleichen Tages wird aber durch die Rundfunksendungen klar, dass der Aufstand nicht erfolgreich war.
Letzte Ausgabe des Ebersberger Anzeiger am 28. Abpril 1945:
"Warnungen und Durchhalteparolen"
Bayerisches Hauptstaatsarchiv / Kreisarchiv Ebersberg
„Kein Häftling darf lebendig in die Hände des Feindes fallen“
Heinrich Himmler am 18. April 1945 auf die Frage, ob das KZ Flossenbürg dem Feind übergeben werden könne: „Die Übergabe kommt nicht in Frage. Kein Häftling darf lebendig in die Hände des Feindes fallen.“ [ Dauerausstellung in der KZ Gedenkstätte Dachau – Auflösung des KZ-Systems ]
Die aus Poing geflohenen KZ-Häftlinge haben zum Teil auch den Weg in Richtung Norden und in den Ebersberger Forst gefunden. Sie erklärten den Menschen, die sie antrafen, der Krieg sei aus. Diese waren aber misstrauisch und verständigten Polizei und Wachmannschaften. Nicht wenige Häftlinge suchten erneut das Weite und konnten sich verstecken. Andere wurden sofort beim Anrücken der SS auf der Flucht erschossen. Einige KZ-Häftlinge wurden – vermutlich am 28. April 1945 – im Forst nördlich von Anzing getötet.
Soldaten der 7. US-Armee befreiten am 29. April das KZ Dachau, am 30. April München und stießen auf keinen Widerstand. Adolf Hitler beging am 30. April Selbstmord.
Die Gendarmerie-Inspektion Ebersberg wurde informiert. Fünf tote KZ-Häftlinge sollen mit einem Lastkraftwagen nach Ebersberg gebracht werden. Offensichtlich wurden sie am 29. April einige Kilometer vor Ebersberg im Wald – nahe der Hubertus Kapelle im Geräumt IV/25 – verscharrt.
Erich Schechner vom Stadtarchiv Ebersberg findet dazu fünf gleichlautende Eintra gungen im Ebersberger Standesamt: „Die Leichen von fünf unbekannten männlichen KZ-Insassen wurden am 22. August im Ebersberger Park vergraben aufgefunden“.
Fünf gleichlautende Sterbeurkunden namenloser KZ-Häftlinge im Standesamt Ebersberg
Stadt Ebersberg
Im letzten Kapitel des Nationalsozialismus war angesagt, alle Beweise der Verbrechen in den Konzentrationslagern zu vernichten. Dazu gehörte auch die Ermordung der KZHäftlinge.
„Nach den Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft München II aus dem Jahr 1955 stammen die fünf ermordeten KZ-Häftlinge aus dem Poinger Todeszug. Sie wurden am 30. August namenlos in das Sterbebuch der Stadt Ebersberg eingetragen“, so Bernhard Schäfer.
Die letzten Wochen und Tage waren also für viele Häftlinge die schrecklichsten. Weil die Nachforschungen zu Marian Majewski zu keinem konkreten Ergebnis führten, war zwischendurch nicht auszuschließen, dass auch er getötet wurde. Er hat überlebt. Viele andere und ganz besonders die KZ-Häftlinge vom Ebersberger Forst aber nicht.
Die letzten Kapitel der Vernichtungsstrategie
Der Ebersberger Josef Staudter, geb. 1905, hielt in den 70er-Jahren Geschehnisse in den letzten Kriegstagen in Ebersberg fest. Er ist auch heute manchen älteren Ebersberger noch bekannt – weil er viele Jahre den „Ebersberger Freundeskreis“ organisierte. Eine Gemeinschaft von Frauen und Männern, die in Ebersberg aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, dann aber durch Beruf und Familie den Wohnsitz verlegte.
Staudter war Soldat der Wehrmacht und in Österreich stationiert. Er bekam immerhin im April 1945 noch Sonderurlaub für einen Sterbegottesdienst in Ebersberg, da sein Bruder gefallen war. Er konnte sich nach München und Ebersberg durchschlagen. Russische Divisionen standen vor Linz, amerikanische Einheiten rücken vom Westen nach Bayern vor.
Staudter zitiert in seinen Aufzeichnungen aus der Ausgabe des Ebersberger Anzeigers vom 20. April 1945, dem Geburtstag des Führers: „Wir müssen uns alle darüber klar sein, dass nur die gemeinsame letzte Kraftanstrengung zum Sieg führt“.
Nur Wahnsinn konnte im April 1945 die Fortsetzung des Krieges fordern.
Am 21. April nimmt Staudter am „Kriegergottesdienst“ für seinen Bruder teil. In den Ansprachen der NSDAP ist vom „nahen Endsieg“ die Rede, so Staudter.
Am 1. Mai 1945 war Staudter als Holzarbeiter verkleidet im Bereich Schafweide nördlich von Ebersberg unterwegs. In seinem Bericht hält er fest: „Es begegneten mir drei SS-Leute mit vier KZ-lern, diese sollten nach Dachau gebracht werden. Sie waren im Entbindungsheim Lebensborn in Steinhöring als Heizer-Gärtner beschäftigt. Sie haben Dachau nie erreicht. Im Sommer fanden Schwammerlsucher die vier verwesten unbekannten KZ-Häftlinge im Wald hinter Gmaind“.
Über diese vier Leichenfunde konnten keine Eintragungen, Dokumente und Ermittlungsakten gefunden werden. 100-prozentige Sicherheit zu den Tötungsfällen gibt es nicht. Dennoch ist mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen, dass es sich nicht um getötete KZ-Häftlinge aus dem Poinger Todeszug handelte, sondern um weitere KZHäftlinge. Denn die am 30. April bei Gmaind gesichteten Häftlinge lebten noch. Und zwischen dem Geräumt IV/25 nahe der Straße nach Schwaberwegen und dem Wald bei Gmaind an der Hohenlindener Straße liegt doch eine gewisse Entfernung.
Oben: Hubertuskapelle an der Staatstraße nach Schwaberwegen
Unten: Waldrand bei Gmaind an der Staatsstraße nach Hohenlinden
Fotos: Robert Schurer
So schloss das letzte Kapitel der Vernichtungsstrategie. Kurz vor dem Einrücken der Amerikaner haben sich diese Grausamkeiten unmittelbar vor Ort abgespielt.
Die US-Truppen erreichten Ebersberg am 2. Mai 1945. Pfarrer Guggetzer hielt am 20. Juli 1945 fest: „Der Einmarsch der Amerikaner vollzog sich reibungslos. Es fiel kein Schuss, obwohl noch unmittelbar vorher die SS verlangte, dass Ebersberg verteidigt werden muss“ [ Schriftenreihe des Erzbistums München und Freising, Band 8, München 2005, S. 571 ].
Vergessen? Vergessen!
Neben den geschilderten schlimmen Ereignissen beschlich mich schon mitten in den Recherchen das Gefühl, dass es in Ebersberg nichts gibt, was an die Häftlinge von damals oder die grausamen Morde im Ebersberger Forst erinnert. Fraglos kann niemand zum Erinnern und Gedenken gezwungen werden. Dass in den ersten Jahren nach dem Krieg Verdrängung und Orientierungslosigkeit stark ausgeprägt waren, war zwar nicht richtig, aber zu erklären. Aber heute – bald 80 Jahre nach Ende der Schreckensherrschaft? Warum erinnert nichts an diese Opfer des Nationalsozialismus?
Erich Schechner vom Stadtarchiv Ebersberg weiß, dass 1951 im Ebersberger Friedhof ein Ehrenmal für Soldaten, KZ-Häftlinge und Fremdarbeiter errichtet wurde. „Maßgeblich initiiert wurde es vom damaligen Bürgermeister Otto Meyer. Das Grabmal stand östlich der Aussegnungshalle. Bei der Erweiterung des Friedhofs nach Süden ging es offensichtlich verloren“, so Schechner.
Deshalb stehen wir jetzt in Ebersberg vor der Aufgabe, auch diesen Teil unserer Ortsgeschichte sichtbar zu machen. Und vor der Verpflichtung, den geschundenen und getöteten Menschen ihre Würde und Erinnerung zurückzugeben. Wie und in welcher Form uns das gelingen kann, darüber befinden wir uns mit dem Ersten Bürgermeister der Stadt Ebersberg im Austausch.
Zwischen den Geschehnissen von damals und heute liegen mehrere Generationen. Aber alles, was von dieser Vergangenheit berichtet, ist auch für die Gegenwart und die Zukunft wichtig.
Nachwort und Dank
In die Suche nach Informationen, Dokumenten und Erinnerungen waren viele Archive und Dienststellen eingebunden. Staubtrocken waren die Informationen alle nicht. Es war eher ein Wechselbad an vermeintlichen Erfolgen, Nicht-Erfolgen und Gefühlen. Bei den Nachforschungen zum KZ-Außenstandort in Ebersberg erfuhr ich von den bestialischen Ermordungen im Ebersberger Forst – nach denen ich doch gar nicht gesucht hatte. Und fast jede neue Information führte zu neuen Fragen oder stellte gar bisherige Schlussfolgerungen wieder in Frage. Danke an die vielen Archive, die offen, unkompliziert und digital informieren. Die Auskünfte und Dokumente habe ich mit den jeweiligen Quellenangaben und Ordnungsnummern und/oder Seitenzahlen direkt im Text genannt.
Zu den beschriebenen Ereignissen und den vielen Fragen zum Jahr 1945 bin ich, wie eingangs geschildert, eher zufällig geraten. Mit Geschichte war ich beruflich auch nicht befasst. Deshalb war die Zusammenarbeit mit zwei Personen besonders wichtig: Nämlich mit Bernhard Schäfer und Erich Schechner. Sie unterstützten, bekräftigten und stellten ihr Wissen zur Verfügung. Bernhard Schäfer, Historiker, Kreisarchivar und Museumsleiter in Grafing, beschäftigt sich seit langer Zeit mit dem Nationalsozialismus im Landkreis Ebersberg, und man spürt, dass ihm jedes Schicksal aus dieser Zeit ein Anliegen ist. Erich Schechner, ehrenamtlicher Mitarbeiter im Ebersberger Stadtarchiv, recherchiert schon einige Zeit am im Ebersberger Friedhof „verloren gegangenen“ Denkmal, das an KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter erinnerte. Ihnen beiden ein herzliches Dankeschön.