Warum Ebersberg als KZ-Außenkommando genannt wird
Die Veröffentlichung erklärt, warum Ebersberg kurz vor Kriegsende ein Außenkommando des KZ Dachau wurde, es wird dem Schicksal eines polnischen Zwangsarbeiters nachgespürt und über die tragischen Morde an KZ-Häftlingen im April 1945 kurz vor der Befreiung durch die US-Soldaten berichtet.
Vorwort
Geplant waren die Nachforschungen in der gerne verdrängten NS-Vergangenheit nicht. Auch nicht dieser Beitrag. Das mittelalterliche Regensburg war im Mai 2023 nur Ziel einer schönen Städtereise mit meiner Frau Irmi. Die Weltkulturerbestätten, der Dom St. Peter und die Steinerne Brücke standen auf dem Programm. Aber auch auf das ansprechende Haus der Bayerischen Geschichte direkt am Donauufer freuten wir uns.
Meine Abbiegung in die Geschichte meiner Heimatstadt Ebersberg erfolgte in der Regensburger Dauerausstellung, als ich vor den Bayern-Karten mit den Konzentrationslagern Dachau und Flossenbürg stand – und Ebersberg als Außenlager des KZ Dachau entdeckte. Dass ich als gebürtiger Ebersberger davon keine Kenntnis hatte, überraschte mich nicht nur, sondern beschämte mich. Deshalb ließ mich das Thema nicht mehr los.
Aber Vorsicht: Aus den ersten Jahrzehnten nach 1945 wusste ich, dass die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und dem Zweiten Weltkrieg meistens vermieden wurde. Das Schweigen und Verdrängen meiner Elterngeneration aktivierten in meiner Jugendzeit vielleicht das Interesse am Dritten Reich und dessen Gräuel. Als Stadtrat musste ich erfahren, dass die Beschäftigung mit der Nazi-Vergangenheit sehr anstrengend sein kann.
Und in der Tat: Für die lokale Geschichte einer kleinen Stadt gibt es doch viel erfreulichere Angelegenheiten. Sich an die schönen Ereignisse zu erinnern und zugleich die belastenden auszublenden, sind normale menschliche Mechanismen. Aber auf meine Fragen zum erwähnten Außenlager Ebersberg des KZ Dachau keine Antworten zu haben, war für mich nicht akzeptabel.
• Warum wird Ebersberg als KZ-Außenstandort geführt?
• Wer waren die KZ-Häftlinge?
• Welche Arbeiten mussten sie verrichten?
• Haben die Häftlinge das Kriegsende überlebt?
• Was ist aus den verschleppten Menschen nach der Befreiung durch die US-Amerikaner geworden?
• Gibt es in unserem Ort eine Erinnerung an die Leidtragenden von damals?
Deshalb die Recherchen in die dunkle Epoche unserer Geschichte und in Ereignisse, die demnächst 80 Jahre zurückliegen. Schnell wurde mir klar, dass diese Nachforschungen auch ein Lauf gegen die Zeit sind. Leben heute noch Zeitzeugen oder Häftlinge, die über ihre Erinnerungen berichten können? Schwierige Voraussetzungen für die Spurensuche. Am Anfang stand meine Befassung mit der Landkarte der KZ-Außenlager. Und dann kam eins zum anderen.
Ich erzähle die Geschichte, wie ich sie Schritt für Schritt erschlossen habe. Eine geschichtliche Einordnung entsteht erst dann, wenn die Ereignisse von Ebersberg mit der menschenverachtenden NS-Ideologie verknüpft werden. Dennoch kann und will ich nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Arbeit erheben. Deshalb auch im Fließtext zahlreiche Verweise auf Informationen und Quellenangaben aus Archiven und Literatur. Notwendig war dies zudem mangels Unterlagen aus der Zeit von 1933 bis 1945. Denn die gezielte Aktenvernichtung am Ende des Hitler-Faschismus hat auch in Ebersberg stattgefunden. Die Erzählung über dieses Kapitel in Ebersberg ist aus einem weiteren Grund unvollständig: das Massenphänomen Zwangsarbeit in der NS-Herrschaft ist auch bei uns nicht durchgängig erforscht.
Folglich auch der Versuch einer Geschichtswerkstatt (Termin: am 9. Oktober 2024 um 14:30 Uhr im Klosterbauhof Ebersberg, Bürgersaal „Unterm First“). Gibt es noch Einheimische, die von den Geschehnissen im Jahr 1945 berichten können? Die Veranstaltung dient damit auch dem Vorhaben, Informationen, Erkenntnisse oder gar Dokumente zu den Fragen aus dieser Zeit zu gewinnen. Zu Wort kommen sollen vor allen Dingen ältere Ebersberger, die vielleicht noch etwas berichten können.
Wenn Sie, liebe Leserinnen und Leser, Mitteilungen, Anmerkungen oder Schriftstücke zu den angesprochenen Themen beisteuern können, lassen Sie es uns bitte wissen: Das Stadtarchiv im Rathaus Ebersberg oder die Kreisdokumentation im Landratsamt Ebersberg oder ich als Autor sind gerne Ihre Ansprechpartner.
Unabhängig davon, ob der Ansatz einer Geschichtswerkstatt sofort Erfolg haben wird: Wir könnten es später bereuen, es nicht wenigstens versucht zu haben. Zugleich dienen die Ergebnisse aus der geplanten Veranstaltung der Aufarbeitung und sind ein Teil der regionalen Geschichte. Die Erinnerung an die Geschehnisse von damals ist gleichzeitig eine Mahnung an unsere und die folgenden Generationen.
Ebersberg, im September 2024 Robert Schurer